Sommersemester 2026

KI in Unterrichts- und Schulentwicklung

Digital Leadership für Berufseinsteiger:innen

Die Studierenden gingen von konkreten Beobachtungen aus dem Schulalltag zu baubaren, testbaren KI-Prototypen. Im Mittelpunkt stand die Erfahrung, dass aus realen schulischen Problemen Handlungsspielraum entstehen kann.

Architektur

Die didaktische Architektur sollte verhindern, dass das Seminar zur reinen Toolshow wird.

Die Themenzentrierte Interaktion half dabei, vier Kräfte gleichzeitig im Blick zu behalten, die einzelne Person, die Projektgruppe, die Sache und den äußeren Schulkontext. Genau aus dieser Balance entstand der Lernweg vom beobachteten Problem zum validierten Prototyp.

Kernidee

KI wurde als Werkzeug eingeführt, mit dem pädagogische Urteile, Feedback und Gestaltungsentscheidungen sichtbar werden.

Ich

Lernbiografie und Haltung

Eigene Schulerfahrungen, Praxisbeobachtungen, Unsicherheiten und Ressourcen werden ernst genommen. Diese Perspektive bildet den Ausgangspunkt professionellen Urteilens.

Wir

Arbeitsfähige Gruppe

Die Projektgruppe wird zur Werkstatt. Ideen werden gezeigt, irritiert, getestet und gemeinsam weitergebaut. Entwicklung entsteht im Austausch.

Es

Sache und Werkzeug

KI, Unterrichtsentwicklung und Digital Leadership werden an konkreten pädagogischen Situationen bearbeitet. Entscheidend ist, welches Problem vorliegt, wer welche Unterstützung braucht und was im Unterricht wirklich hilfreich wäre.

Globe

Außenbedingungen

Lehrkräftemangel, heterogene Klassen, KI-Dynamik, Datenschutzfragen und die öffentliche Werkschau bilden den realen Kontext, in dem Entscheidungen getroffen werden.

Umsetzung im Seminar

Wie diese Architektur praktisch wurde

Aus der Balance von Ich, Wir, Es und Globe wurden vier konkrete Arbeitsentscheidungen für den Seminarprozess.

1

Beim Problem beginnen

Die Gruppen starteten bei Interviewausschnitten aus der eigenen Seminargruppe. Erst nachdem eine konkrete Unterrichtssituation präzise beschrieben war, wurde über eine digitale Lösung nachgedacht.

2

Bauen als Denkform nutzen

Die Prototypen dienten als Denk- und Gesprächsanlässe. Durch das Bauen wurde sichtbar, welche Annahmen über Unterricht, Kinder und Lehrkraftarbeit tragfähig waren und wo nachgeschärft werden musste.

3

Feedback als Realitätskontakt einbauen

Rückmeldungen von Lehrkräften und schulnahen Personen lieferten Material für die nächste Iteration.

4

Reflexion mit Berufsbildern verbinden

Immer wieder wurde gefragt, was diese Erfahrung für den eigenen Berufseinstieg bedeutet. Wie kann ich auch ohne Leitungsposition Verantwortung übernehmen und kleine Veränderungen anstoßen?

Seminarbogen

Der Ablauf führt von pädagogischer Diagnose über erstes Bauen und Validierung hin zu Iteration, Werkschau und professioneller Selbstwahrnehmung.

Tag 1

Problem Verstehen

Vom großen Problem zur baubaren Situation

Ankommen, Motivation und gemeinsame Arbeitsfähigkeit

Interviewauszüge aus dem Schulalltag analysieren

Granularitätsübung von Heterogenität zu einer konkreten Tätigkeit

Problem-Statement und How-Might-We-Frage formulieren

Leadership-Lernen

Digital Leadership wird im Seminar als Fähigkeit behandelt, in Unsicherheit Verantwortung zu übernehmen, gute Fragen zu stellen und andere für Veränderung zu gewinnen.

1

Ein Problem präzise genug beschreiben, damit daran gearbeitet werden kann.

2

KI-Ergebnisse prüfen, zuspitzen und bei Bedarf widersprechen.

3

Feedback als Entwicklungsenergie nutzen.

4

Andere für eine Idee gewinnen, obwohl man noch keine formale Führungsposition hat.

Projektergebnisse

Concept-Art der Differenzierungs-Werkbank mit differenzierten Arbeitsblattvarianten
Gruppe 1

Differenzierungs-Werkbank

Material differenzieren

Diese Gruppe übersetzte die große Sorge, einzelnen Kindern gerecht zu werden, in einen konkreten Engpass der Lehrkraftarbeit. Material muss rechtzeitig vor der Stunde so vorbereitet sein, dass Kinder mit unterschiedlichen Voraussetzungen Unterstützung finden, bevor sie im Unterricht unsichtbar werden.

Ausgangspunkt: Allen gerecht werden ist eine Zeitfrage

Fokussierung: Vom diffusen Förderbedarf zum Arbeitsblatt

Validierung: Nützlich, wenn es kontrollierbar bleibt

Concept-Art des Geschichtenhelfers mit Ideenkarten und Schreibblatt
Gruppe 2

Geschichtenhelfer

Schreibideen als Hilfe zur eigenen Leistung

Diese Gruppe machte aus der allgemeinen Herausforderung unterschiedlicher Lerntempi eine konkrete Deutschunterrichtssituation. Beim Geschichtenschreiben brauchen Kinder unterschiedliche kleine Impulse genau in dem Moment, in dem sie steckenbleiben.

Ausgangspunkt: Freies Schreiben braucht ungleiche Hilfen

Fokussierung: Kurze Impulse für eigenen Text

Validierung: Gute Idee, Interaktion zählt

Concept-Art des Buchstaben-Kompasses mit Buchstabenkacheln, Lernpfad und Dashboard
Gruppe 3

Buchstaben-Kompass

Buchstabenlernen sichtbar machen

Diese Gruppe arbeitete an einem Kernproblem aus der Interviewanalyse. Kinder bringen täglich unterschiedliche Voraussetzungen mit, während die Lehrkraft unter Zeitdruck passende Anknüpfungspunkte finden muss. Gerade beim Lesenlernen kann daraus früh ein Auseinanderdriften entstehen.

Ausgangspunkt: Der Anschluss geht leise verloren

Fokussierung: Übersicht mit belastbaren Hinweisen

Validierung: Übersicht ja, eindimensional nein

Concept-Art des Bundesländer-Entdeckers mit interaktiver Deutschlandkarte und Quizkarten
Gruppe 4

Bundesländer-Entdecker

Bundesländer differenziert entdecken

Diese Gruppe ging von einer sehr grundsätzlichen Lehrkraftspannung aus. Kinder sollen motiviert und selbstständig lernen, im Unterricht kommt dieselbe Erklärung jedoch unterschiedlich an. Aus einer engen Schritt-für-Schritt-Situation wurde deshalb ein differenziertes Entdeckerspiel für den Sachunterricht.

Ausgangspunkt: Nicht-Verstehen bleibt oft unsichtbar

Pivot: Vom einzelnen Erklärproblem zum Lernzugang

Validierung: Lehrkräfte denken sofort an Einsatzformen